ENTSCHEIDUNG - BERUFUNG - JESUITEN

ENTSCHEIDUNG - BERUFUNG - JESUITEN

 

Gute Entscheidungen 4 (Brüder Heath)

(27.7.2015)

 

Ein weiterer Fehler begleitet uns beim Entscheiden: wir sind uns zu sicher, wir sind zu selbstbewusst. Wir haben viel in die Vorbereitung investiert, wir kennen das Terrain, wir sind in diesem Thema zuhause, wir haben viel erfahren, sodass uns da niemand etwas vormachen kann - und deshalb meinen wir, die Zukunft zu kennen. Aber das stimmt nicht! Heute kann schon alles anders sein als gestern. Deswegen: Bereite dich darauf vor, falsch zu liegen!

 

Zu einem guten Entscheidungsprozess gehört es, sich sowohl auf einen guten Ausgang vorzubereiten als auch auf einen schlechten. Im ersten Fall kann ich mich fragen und vorausphantasieren: Warum geht es schief und wie wird es dann aussehen? Umgekehrt kann ich mir vorstellen: Warum geht es gut und wie wird es dann aussehen? Es hilft, wenn ich mich damit beschäftige, was mich eine Entscheidung revidieren lassen würde. Dann kann ich festlegen, wo und wie ich einen "Stolperdraht" als Sicherung einziehe.

 

 

 

 
 

Beten mit der Bibel

(5.6.2015)

 

Ignatius von Loyola, der Gründer der Jesuiten, gibt in seinem Büchlein "Geistliche Übungen" (Exerzitien) Hinweise zum Beten mit der Bibel. Hier einige Tipps, die davon inspiriert sind:

 

- Vorbereitung: bewusst beginnen, an einem geeigneten Ort, in einer aufrechten Position, still werdend (mein Handy ausschalten), den Atem spüren.

- Mich Gott zuwenden: ein Kreuzzeichen machen, den liebenden Blick Gottes aufnehmen, die Hilfe des Heiligen Geistes erbitten, meine Bitte für diese Gebetszeit aussprechen.

- Den Text lesen, mir die Szene vorstellen, oder mich von den Worten und Sätzen ansprechen lassen.

- Dabei verweilen, verspüren, im Herzen verkosten, meditieren, dabeibleiben.

- Gegen Ende mit Gott ins Gespräch kommen, mit einem Vaterunser und einer Geste (Verbeugung) abschließen.

- Rückschau halten, auf des Gewesene blicken, ev. Notizen machen.

 

 

 

 

 

Orden - für Einsteiger erklärt

(10.4.2015)

 

Das Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland hat ein Kurzvideo "Was sind Orden?" produziert. Es möchte auf ganz einfache und humorvolle Weise über das Ordensleben Auskunft geben. Es steht in der Rubrik "Katholisch für Anfänger". Sehen Sie selbst! Hier ist das Video.

 

 

 

 

 
 

Gute Entscheidungen 3 (Brüder Heath)

(27.3.2015)

 

Ein Fehler beim Entscheiden besteht darin, dass wir aufwallenden Emotionen zu viel Raum geben. Wir fühlen uns zwar dadurch im ersten Moment erleichtert, aber auf lange Sicht können die Entscheidungen schlecht enden, also falsch sein. Daher lautet ein hilfreicher Hinweis: Suche Abstand!

 

Ich komme zu Distanz durch Wechseln von Perspektiven: Was würde ich meinem besten Freund sagen, dass er tun soll? Was würde mein Nachfolger in meiner Funktion tun? Wie werde ich mich fühlen in 10 Minuten, in 10 Monaten, in 10 Jahren? Sollten die Entscheidungen besonders quälen, ist es gut, zuerst meine tieferen Werte (Kernprioritäten) zu klären und diesen bewusst den Vorrang zu geben.

(Quelle: C. u. D. Heath, Decisive)

 

 

 

 

Wie kann ein Mensch von heute Jesuit sein? (K. Rahner)

(18.3.2015)

 

Wie kann ein Mensch von heute noch Jesuit sein und Jesuit bleiben? Auf diese Fragen kann jeder Jesuit nur sehr "subjektiv" antworten. Ich will es einfach sagen, auch wenn es fromm klingt. Weil auch heute nach meiner Erfahrung in vielen der Mitgliedern ein Wille lebt zum ungelohnten, schweigend getanen Dienst, zum Gebet, zum Sicheinlassen auf die Unbegreiflichkeit Gottes, zur gelassenen Annahme des Todes, in welcher Form er auch immer kommt, zu Jesu dem Gekreuzigten. Diesen Geist gibt es.

 

Ich denke an Brüder, die ich selber kannte: an meinen Freund Alfred Delp, der mit gefesselten Händen seine endgültige Zugehörigkeit zu diesem Orden unterschrieb; an den, der auf einem indischen Dorf, auf dem sich keiner der indischen Inellektuellen blicken lässt, den armen Teufeln dort einen Brunnen graben hilft; an den, der stundenlang sich die Mühsal und Qual des nur scheinbar harmlosen Spießbürgers im Beichtstuhl anhört; an den, der sich mit seinen Studenten in Barcelona von der Polizei prügeln ließ, ohne die Genugtuung, ein Revolutionär mit dessen Glorie zu sein; an den, der jeden Tag im Krankehaus an Sterbebetten stehen und dem so noch das Einmalige zum alltäglich Gewöhnlichen werden muss; an den, der in den Gefängnissen die Botschaft des Evangeliums "feilbieten" muss, immer neu, kaum bedankt und für Zigaretten mehr geschätzt als für die Worte des Evangeliums. An den, der mühsam und ohne "statistische" Erfolge einen Funken von Glauben, Hoffnung und Liebe in ein paar Mensch zu wecken sucht. Solche und viele andere Gestalten und Ereignisse der Selbstaufgabe in das Geheimnis Gottes hinein sind auch heute im Orden das Entscheidende und das als entscheidend Anerkannte.

 

Unter viel Asche brennt auch heute in meinem Orden die Liebe zu der Unbegreiflichkeit Jesu und seines Schicksals. Von daher dient er der Kirche und kann ihr gegenüber und gegen sich selbst sehr kritsch sein, sich auf das Experiment einer nicht vorauskalkulierbaren Geschichte einlassen und Leben, Erfolg und Misserfolg, Prestige und Unbedeutsamkeit getrost als Teilnahme am Geschick dessen entgegennehmen, dessen Name mein Orden (gewiss ein wenig unbescheiden, aber auch voll rührender Hoffnung) trägt.

[Sämtliche Werke 25, 283-285 passim]

 

 

 

 
 
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